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Gedanken zur Hygiene-Ampel

352723_R_by_Wilfried Steinacker
Seit dem 19. Mai 2011 steht fest, dass in Deutschland die Hygiene-Ampel eingeführt wird. Ab 2012 werden Restaurants über ein Punktesystem in eine Ampelskala eingeteilt, die dann am Eingang jedem Gast die Küchenhygiene der letzten Kontrollen zeigt.

Im Moment wird ein Betrieb kontrolliert und wenn das Ergebnis schlecht ausfällt wird man entsprechend bestraft. Ab dem nächsten Jahr wird das Ergebnis an die Tür geklebt. Da hilft auch keine Anstrengung, dieses Ergebnis irgendwie wieder zu verbessern. Es bleibt und relativiert sich erst mit erneuten Besuchen der Lebensmittelkontrolleure.

Meine Gedanken zur Umsetzung dieser Ampel:

  • Wenn die Hygiene-Ampel Anfang 2012 eingeführt wird, hat dann der noch nicht kontrollierte Gastronom einen Nachteil oder Vorteil (je nach Zustand)?
  • Wenn aufgrund von baulichen Mängel bei einem Pachtobjekt die Hygiene-Ampel gelb zeigt?
  • In wie weit ist der Küchenchef haftbar, wenn die Kontrolle schlecht ausfällt?
  • Wird ein Küchenchef bei einer Bewerbung nach der Ampelfarbe im letzten Betrieb gefragt?
  • Bekommt ein Betrieb mit gelber Ampel überhaupt noch Personal?
  • Können Mietköchen während ihrem Aufenthalt auch für bestehende Hygienemängel haftbar gemacht werden?
  • In welchem Umfang muss der Verantwortliche haften, da die letzten 3 Bewertungen für die Ampel ausgewertet werden. (Langzeit-Imageschaden und Verdienstausfall)
  • Eine Beseitigung der Mängel wird in der Ampel kurzfristig nicht berücksichtigt.
  • Wenn ein Restaurant einen neuen Besitzer bekommt, wird dann auch die Ampel neu gestartet?
  • Kann ein Restaurantbesitzer so auch ein schlechtes Ergebnis umgehen (schließen und auf den Namen einer anderen Person wiedereröffnen?), oder hängt das letzte Ampelergebnis auch beim Nachpächter?

Noch ein Gedanke zum Abschluss:
Wie leben Menschen in anderen Ländern (Thailand, Indien, Südamerika, usw.) ohne dieses Kontrollsystem …

Markus Meier
Gastronomie Geflüster

Foto: Wilfried Steinacker / pixelio.de

4 Reaktionen zu “Gedanken zur Hygiene-Ampel”

  1. Josef Türk Jun.

    Guter Beitrag, genau diese Gedanken sind mir auch schon durch den Kopf gegangen. Zusätzlich noch frage ich mich warum nur wieder die Gastronomie und nicht auch gleich die Metzgereien etc. mit dazu. Ich denke auch dass diese Ampel das Problem nicht lösen wird, diese wird nur noch mehr Verwirrung schaffen.

    Wie aktuell zu sehen ist, ich meine EHEC, sollte man mal weiter unten in der Kette anfangen und besser kontrollieren. Wie kann es sein, dass Gemüse welches bereits Frucht trägt mit derartigen Düngemitteln gedüngt wird.

    Ich persönlich halte die Strafen für Hygieneverstöße einfach für zu lasch. Das müßte viel drastischer sein. Ist der Betrieb nicht sauber, dicht machen, fertig. Heutzutage, in Zeiten von immer mehr Missbrauch bei Lebensmitteln bleibt keine andere Wahl.

    Warum darf eigentlich Analog Käse und dieser Schinken Ersatz überhaupt produziert und verkauft werden?

    Andererseits muss man aber auch sagen, die großen Skandale wie BSE, Schweinepest, EHEC und dergleichen mehr, passieren ja garnicht in der Gastronomie. Könnte man auch fragen, wer hier eigentlich mehr Kontrollen und eine Ampel braucht.

  2. Markus Meier

    Da geb ich Dir absolut Recht..!!!

  3. Gastromartini

    Die Frage ist wirklich, wer hier eine Ampel braucht. Gerne und mit Freude wird der Begriff „Ekelrestaurants“ in Schlagzeilen der Boulevardpresse zitiert und damit die überwiegende Mehrzahl korrekt und sauber arbeitender Gastronomen in Mißkredit gebracht.

    Auf dieser Welle schwimmt auch der aktuelle Gesetzesvorschlag, weil man da scheinbar in der allgemeinen Stimmung punkten kann. Er ändert aber nichts an der Gefährdungslage und schon gar nichts an der Gesundheitsvorsorge.

    Die deutsche Lebensmittelüberwachung ist derzeit nicht ohne Grund am Prinzip des Gefährdungsrisikos orientiert, das heißt, sie konzentriert sich auf die Punkte, an denen das größte Risiko für eine Verbrauchergefährdung besteht (analog zum HACCP-Konzept, das den Gastronomen ja auch vorgeschrieben ist).

    Dieses Gesetzvorhaben konterkariert dieses Prinzip nicht nur, es wird es sogar aushebeln, weil sich die ohnehin viel zu wenigen Kräfte eín Jahr lang auf das Kleben von Ampeln werden beschränken müssen, anstatt die wirklichen Gefährungsquellen zu überwachen.

    Ausfürhliche Argumente und Belege unter

    http://gastrobetreuung.de/gastroblog/gastronomie-und-gesellschaft/smileys-qualitatssiegel-fur-restaurants/

  4. Holger

    Das wichtigste sind doch Standards bei den Kontrollen, ich habe keine Lust irgendwelchen beamten ausgeliefert zu sein die Subjektiv entscheiden was sauber ist und was nicht. Wann sind die Kontrollen? Morgens um 9:00 oder um 14:00 Uhr kurz nach dem mittagsgeschäft ? der eine Kontrolleur geilt sich an Dichtungsgummis auf, der andere an den Lieferscheinen, einer ist 1 Jahr vor der Rente und dem ist’s Wurscht der andere ist neu und übermotiviert, ab Januar 2012 werde ich jede Kontrolle mit Video dokumentieren und den kontroleur nur nach Anmeldung ins Haus lassen damit ich mir fachlichen und rechtlichen Beistand holen kann.

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